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#1

Gehet hin und prügelt euch

in Spiele 26.09.2007 13:52
von Gelöschtes Mitglied
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"Schluss mit dem Gewalt-Tabu!“, fordert Pfarrer Thomas Hartmann und erklärt, warum sogenannte Killerspiele und Raufereien wichtig sind.
Von FOCUS-Redakteurin Sonja Billhardt (Quelle: http://www.focus.de/digital/games/comput...html#box_commen )



FOCUS: Herr Hartmann, Sie plädieren dafür, dass Kinder grausame Computer-Ballerspiele zocken und sich auch im wahren Leben verhauen dürfen. Hatten Sie eine göttliche Eingebung, oder suchen Sie die Provokation?

Hartmann: Grausame Ballerspiele für Kinder halte auch ich für ungeeignet. Aber natürlich will ich damit provozieren. Ich möchte vor allem eine Debatte anstoßen, doch man stößt überhaupt nichts an, wenn man nicht die Dinge ein bisschen klarer auf den Punkt bringt. Aber mein Buch ist mehr als reine Provokation. Schließlich begründe ich meine Thesen.

FOCUS: Also dann, wieso sind „Killerspiele“ gut für die Kleinen?

Hartmann: Zunächst finde ich den Begriff „Killerspiel“ falsch, weil er kaum klar zu definieren ist. Und: Weder verwandeln solche Games Spieler in „Killer“, noch dreht es sich in den meisten Shootern nur ums Killen. Bei Titeln wie „Splinter Cell“ oder „Counterstrike“ kommt es zum Beispiel auf Taktik an. Ich habe in den letzten Jahren viele Ego-Shooter selbst getestet und weiß, wovon ich rede. Außerdem bin ich dagegen, dass „kleine“ Minderjährige Spiele in die Finger bekommen, die nicht für ihr Alter bestimmt sind. Es geht mir darum, dass solche Spiele nicht von vornherein wegen ihrer gewalthaltigen Inhalte verteufelt werden. Ballerspiele können ein Ventil für Teens und Erwachsene bieten und helfen, Aggressionen abzubauen.

FOCUS: ... oder Aggressionen aufzubauen. Eine Studie der Iowa State University belegt beispielsweise, dass gewalthaltige Computerspiele die Sensibilisierung für reale Gewalt senken.

Hartmann: Da kann ich Ihnen etliche Wissenschaftler nennen, die das Gegenteil belegen – beispielsweise den amerikanischen Anthropologen Henry Jenkins vom Massachusetts Institute of Technology. Auch Medienexperte Gerard Jones spricht in seinem Buch „Kinder brauchen Monster“ davon, dass Jugendliche ihre Gewaltfantasien spielerisch ausleben müssen. Und spielerisch ausleben können sie das beim Balgen oder Daddeln. Letztendlich bleibt alle Gewalt auch im Computerspiel bloß Fiktion. Kein Mensch wird wirklich umgebracht.

FOCUS: Hat für Sie solch spielerische Gewalt auch ihre Grenzen?

Hartmann: Bei übermäßigem oder für das Alter ungeeignetem Konsum setze ich eine Grenze. Wenn etwa ein Jugendlicher sechs Stunden jeden Tag vor dem Rechner hockt, bieten die Eltern ihrem Kind keine richtigen Alternativen und missbrauchen den Computer als Babysitter. Sobald sich bei einer Rauferei jemand ernsthaft verletzt, ist die Grenze eindeutig überschritten. Trotzdem finde ich, dass Jugendliche ihre körperlichen Kräfte ausprobieren und damit an ihre Grenzen stoßen sollen. Viel zu oft ersticken Erzieher und Eltern Spaßprügeleien schon im Keim.

FOCUS: Erwachsene reagieren zu empfindlich auf Gewalt?

Hartmann: Die Sensibilität für Gewalt ist gewachsen. Das kann man an Polizeistatistiken festmachen. Heute zeigen Leute Delikte viele schneller an als früher. Wir machen den Test: Ich beschreibe eine Prügelszene, und Sie sagen, ob das Ihre Toleranz für Gewalt überschreiten würde: „Er warf sich über ihn und prügelte drauflos, drehte den rechten Arm unerbittlich um und drückte das Gesicht des Gegners in den Schnee. Sein linkes Auge war geschwollen, die Schüler jaulten begeistert.“

FOCUS: Grenze überschritten.

Hartmann: Die Szene stammt aus dem Buch „Das fliegende Klassenzimmer“ von Erich Kästner. Das Verhalten der Jungen wurde in den 30er-Jahren noch als natürlich angesehen. Selbst der Lehrer im Kinderroman hat ein gewisses Verständnis für den „Spaß“. Heute würden wir das, in diesem Beispiel auch völlig zu Recht, nicht mehr akzeptieren.

FOCUS: Wieso haben wir heute den Sinn für „Gewaltspaß“ verloren?

Hartmann: Schuld ist die Friedensbewegung der 70er- und 80er-Jahre. Sie hat zu einer Tabuisierung von spielerischer Gewalt geführt. So sehr ich deren politische Prinzipien schätze, so sehr kritisiere ich die Auswirkung ihrer Friedenspädagogik. Am Ende wurde zwar die Prügelstrafe abgeschafft, aber viele Teenager durften nicht mehr ohne Rüge „Räuber und Gendarm“ spielen.

FOCUS: Führen Sie auch die heutige Kritik an Ballerspielen darauf zurück?

Hartmann: Absolut. Dabei möchte ich den Medienkritikern einmal die Bibel unter die Nase halten. Der Theologe Raymund Schwager zählt rund 600 Gewaltstellen im Weltbestseller. Manche könnten als Vorlage für Ego-Shooter dienen – so zum Beispiel die Szene, in der Mose vom Berg Sinai kommt und seinen treuen Anhängern befiehlt, alle Israeliten zu vernichten, die um das berühmte goldene Kalb getanzt und damit gegen den Willen Gottes gehandelt hatten. Übersetzt hieße das heute: „Alles killen, was dir in die Quere kommt, dann ist das Level geschafft.“

FOCUS: Doch Bibelszenen erlebt man passiv, bei Shootern ist der User aktiver Part von Gewaltorgien.

Hartmann: Die Identifikation mit eindrucksvollen Charakteren wie Jack Bauer in der Fernsehserie „24“ kann sogar sehr viel höher sein als in einem Computerspiel. Man muss so was auch immer mit der historischen Brille sehen. Für die Menschen damals wirkten solche Szenen ähnlich brutal wie heute ein Shooter. Ich möchte nicht wissen, wie Furcht einflößend Caravaggios Umsetzung von „Judith köpft Holofernes“ auf Betrachter gewirkt haben muss.

FOCUS: Was will uns die Bibel mit solchen Geschichten sagen?

Hartmann: Dass Gewalt Teil des Menschen ist und wir lernen müssen, damit umzugehen.

FOCUS: Wird auch ein Pfarrer wie Sie mal aggressiv?

Hartmann: Nie (lacht)! Na ja, wenn ich richtig wütend bin, höre ich Rockmusik wie Linkin Park oder auch Klassik zum Entspannen. Ab und zu treibt es mich zum Abreagieren in die Muckibude – mein Kampf mit den Mördergeräten.


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Ein vernünftiger Pfarrer, vom Herrn mit genug Hirn gesegnet! Wenn es nur mehr solche Leute gäbe...

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#2

RE: Gehet hin und prügelt euch

in Spiele 26.09.2007 14:23
von [flo] | 526 Beiträge

Absolut sympatischer Pfarrer und revolutionäres Interview!


"That was intense. Really intense. Well, not really intense, but pretty intense."
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#3

RE: Gehet hin und prügelt euch

in Spiele 26.09.2007 17:00
von Dome • Ehemaliger - Admin
| 577 Beiträge

Ich mag den Pfarrer - wenn es doch nur alle so sehen würde. Meiner Meinung nach hat er vollkommen Recht.



Ich bin Admin - mache aber auch Fehler

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#4

RE: Gehet hin und prügelt euch

in Spiele 26.09.2007 18:02
von Gurkenkrieger | 874 Beiträge

Ja, für einen Pfarrer is das doch mal echt revolutionär. Kann mir das garnicht vorstellen, ein zockender Pfarrer

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#5

RE: Gehet hin und prügelt euch

in Spiele 27.09.2007 09:12
von [flo] | 526 Beiträge

Viel geiler fand ich, dat er LP hört und in der Muckibude (!!!) Gewichte stemmt! Stell mir des grad bildlich vor!


"That was intense. Really intense. Well, not really intense, but pretty intense."
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#6

RE: Gehet hin und prügelt euch

in Spiele 28.09.2007 04:45
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von [flo]
Viel geiler fand ich, dat er LP hört und in der Muckibude (!!!) Gewichte stemmt! Stell mir des grad bildlich vor!


Der könnte dich locker aus den Latschen hauen...

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#7

RE: Gehet hin und prügelt euch

in Spiele 28.09.2007 23:43
von Croc • Ehemalige - Mod
| 403 Beiträge

Geil... ein Pfaffe haut dem Floh die Zähne raus! Da MUSS man doch Popcorn mitbringen!


If today was perfect there would be no need for tomorrow
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